Ein wenig wie ich es befürchtet habe, schaffe ich es nicht mehr zur Ausstellung “Kino im Kopf” im Deutschen Filmmuseum, von der ich bereits berichtete. Noch ein Quentchen wichtiger ist und war mir jedoch die Ausstellung “Jenseits des Kinos” im Hamburger Bahnhof oder auch “Museum für Gegenwart”.
Das Museum an sich ist bereits einen Besuch wert, war es doch – wie der Name vielleicht bereits erwarten lässt – selbst einmal ein Bahnhof, dessen Charme noch heute an vielen Stellen zu spüren ist.
Im Hamburger Bahnhof laufen stets mehrere Ausstellungen parallel. Auf diese Weise konnte ich bereits ein paar Exponate bestaunen, bevor ich zu denen kam, die ich eigentlich ansehen wollte. Das ausgefallenste war dieses hier:

Die “Bücher” sind überdimensional groß und erscheinen aus schwerem Stein – sogar aus geringer Entfernung! Sind dann aber doch “nur” aus Pappkarton und Farbe gebaut. Ein ziemlicher Hingucker!
Aber kommen wir zur Ausstellung selbst. Von den hier ausgestellten 27 Werken waren leider vier ausgeschaltet, was den Gesamteindruck aber wenig beeinflusst. Zwei Werke fand ich ganz aussergewöhnlich, so dass ich sie hier auch kurz vorstellen möchte.
Im Themenbereich “Selbstumrundungen” wurde von dem Künstler John Massey das Werk “As the Hammer strikes” von 1982 ausgestellt. Auf drei aufeinander abgestimmten Projektoren läuft “eine” Geschichte.

Auf dem mittleren Projektor sind konstant die beiden Dialogpartner zu sehen, wie sie sich während einer Autofahrt unterhalten. Der linke Projektor stellt die Gedankenwelt des Fahrers, der rechte die des Beifahrers dar. Immer wieder weichen die Vorstellungen dessen, was der Erzähler meint, von dem, was der Zuhörer versteht, ab. Wie das Museumsjournal schreibt:
Immer wieder scheitert die Verständigung: an nicht richtig Gehörtem, an Missverständnissen, an unterschiedlichen kulturellen Prägungen. Es wird deutlich, dass Kommunikation mitnichten ein Sich-Verstehen ist, bei dem die Perspektiven der Gesprächspartner kongruent würden.
Das zweite Werk, das ich sehr beeindruckend fand, wurde in der Kategorie “Körperansichten” ausgestellt: die von Gary Hill erstellte Installation “Viewer” von 1996. Da betritt man einen dunklen Raum und steht plötzlich einigen anderen Personen gegenüber.

Auch hier schreibt das Museumsjournal:
Oder er wird, statt zu schauen, plötzlich selbst angestarrt von siebzehn Augenpaaren: von Gary Hills in Lebensgröße auf die dunkle Wand projizierten Männern, müden Arbeitern, die uns in einer Reihe gegenüberstehen, als warteten sie auf den Bus. Fast regungslos, verlagern sie nur ab und zu das Gewicht von einem Bein auf das andere. Wohin wir uns auch bewegen, verfolgen sie uns mit ihren Blicken.
Selbst auf kurze Distanz bleibt die Täuschung verdammt echt. Erst ein veränderter Blickwinkelt verrät die Projektion.

Die Täuschung scheint mir aufgrund der ungeheuren Farbbrillanz zu gelingen. In diesem Fall wurden Projektoren verwendet, die jede Farbe separat auf die Leinwand projezieren. Verdeckt man eines der Signale mit der Hand, ist die Farbe auch auf der Projektion nicht mehr vorhanden.

Das waren zwei von den 27 teilweise ganz bemerkenswerten Werken. Sicher sind auch ein paar dabei, mit denen ich nicht so viel anfangen konnte. Doch wenn jemand die Möglichkeit hat, diese Ausstellung bei nächster Möglichkeit zu besuchen, sollte dies einfach mal tun.