Dieses Wochenende gab es fernen und daher seltenen Besuch: Mein Bruder und seine Freundin verirrten sich aus dem fernen Bayern in das nordische Berlin. Mit im Gepäck: Word of Warcraft – das Brettspiel. Ein vermutlich hoffnungsvoller Versuch der WoW-PC-Spiele-Hersteller, ihre mittlerweile abhängigen Käufer und Spieler zumindest etwas zu resozialisieren.
Ist man auch in der virtuellen Welt begeistert von den vielen Möglichkeiten, einen Charakter auszubilden und auszustatten, dann ist auch dieses Brettspiel eine gute Wahl. In nur wenigen solchen Gesellschaftsspielen hat man die Chance (und eigentlich sogar auch die Pflicht) miteinander denn gegeneinander zu spielen. Die Regeln sind wohl überlegt und die Karten, Figuren und alle anderen Bestandteile des Spiels weitestgehend liebevoll und fantasiereich gestaltet. Die Aufgaben sind anspruchsvoll und das Teamplay macht deutlich Spaß.
Gegen dieses Spiel stehen allerdings die vielen Regeln und die unglaubliche Komplexität, die einen vollkommen Unbedarften bei eine Auswahl oder Entscheidung komplett überfordert. Aber hat man sich da erst durchgebissen, wird deutlich, dass alles weniger schwierig ist als die Menge an Regeln und Beziehungen zu Anfang vermuten ließen. Doch muss man vorab wissen, welche neuen Spieler in dieses Spiel eingeführt werden soll: Einem ruhelosen Geist ist das ganze nichts!
Aber dann kommt der zweite negative Punkt dieses Spieles: Bereits vom Spielehersteller selbst ist eine Spieldauer von rund SECHS Stunden angesetzt! Und in unserem gestrigen Bemühen haben wir tatsächlich sechs Stunden mit diesem Spiel zugebracht – und es noch längst nicht ans Ende geschafft. Die vielen Wahlmöglichkeiten und das im Team taktieren sorgen für lange Wartezeiten für das nächste Team. Doch sollte man hier nicht vorgreifen und abwarten, bis das gegnerische wirklich alle Entscheidungen getroffen hat (Verteilung von Gold, Erfahrungswerten und Gegenständen) – denn andernfalls ist die Verwirrung und das Durcheinander vorprogrammiert.
Das Spiel an sich macht wirklich Spaß und ist unterhaltsam. Lediglich die scheinbar endlosen Regeln und die unendlichen Absprachen, die zu langen Wartezeiten für das aktuell wartende Team führen, drüben die Spielfreude. Aber letzteres ist sicher abhängig vom Spieler – und erhöht sich proportional um dessen Aufenthalt im Online-Spiel und damit des Wissens um die Möglichkeiten, die es eigentlich gibt.
Sumasumarum: Ein wirklich unterhaltsames und spannendes Spiel für vier bis sechs Spieler, aber mit großen Hürden für Neueinsteiger und nichts für ein “kurzes Spiel mal eben”.