Das klingt nach einer selten dämlichen Idee. Aber Weihnachten und Neujahr stand für mich in diesem Jahr im Zeichen von Lappland. Für sonnenverwöhnte Südreisende ist dies nicht zum Nachmachen empfohlen! ;-)

Als nördlichstes Flugziel von Finnair ging es vom Flughafen in Kittilä ins knapp 50km entfernte Äkäslompolo. Hier wartete ein gemütliches Blockhäuschen mit Bodenheizung, Kamin, Sauna und vollausgestatteter Küche inkl. Geschirrspüler. Gut, an der Gemütlichkeit der Betten sollten die Finnen noch arbeiten. Die sind so weich, dass man echt “abhängen” – oder besser “durchhängen” – kann.

Wesentlichster Kern des Ausfluges war mein alljährliches Training auf einem Brett. Demzufolge besuchte ich häufiger den örtlichen Hügel mit seinen knapp 790m Höhe: Yllas. Aufgeteilt in zwei Ressorts gibt es hier zwar kurze, dafür aber wunderschöne Pisten. Einziges Manko: bis auf einen Gondellift, der in der gesamten Zeit nicht einmal geöffnet war, und einen Sessellift, den ich nur ein oder zwei Mal nutzen konnte, gab es ausschließlich Schlepplifte. Sich knapp 700m mit einem Schlepplift ziehen zu lassen … nun, dieses Abenteuer sollte jeder einmal selbst gemacht haben.

Weihnachten und Silvester wurde in gemütlich kleiner Reisegruppe gefeiert. Die Temperaturen hielten sich die ersten eineinhalb Wochen ungewöhnlich mild. Mit Werten zwischen 0° und -10° war es kaum kälter als in Berlin. An einem Tag unserer Ausflüge, die nicht zum Berg führten, trafen wir dann auch eines der Rentiere des Ortes, welches einfach aus dem Wald mitten auf den Fußweg wechselte, diesen (in unserer Richtung) weiter benutzte, um dann am nächsten Übergang die Straße zu wechseln – natürlich nicht, ohne das anbrausende Auto noch vorbeizulassen – um anschließend gemächlich auf der anderen Seite wieder im Wald zu verschwinden. Nicht erwähnenswert, dass ich dabei der “Bestie” in Angesicht gegenüberstand, als es mich in knapp einem Meter Abstand passierte…

Auf der Hälfte der zweiten Woche nun viel die Temperatur jedoch um 25° innerhalb einer Nacht. An dem folgenden Tag dann meine erste Auseinandersetzung mit den Elementen: Ich wollte noch mal Snowboarden. Immerhin fiel “ja nur etwas Schnee”. Das Wetter meinte jedoch noch einen Schuss Wind hinzuzufügen und schon hat man die Hand vor Augen nicht mehr gesehen, hatten man den Berg zur Hälfte erklommen. Ein “Fahren” gestaltete sich als unmöglich – nicht nur, dass man nicht sah, wohin die Reise ging, als auch, dass der Wind dermaßen stark war, dass er einen zurück schob oder umwarf. Blieb also nichts, als die Sachen zu packen und zurück zu laufen. Oder es zumindest zu versuchen.

Zwei Tage später die Randerfahrung meines bisherigen Lebens. In der ersten Woche buchten wir eine Safari: Ski-doo und Husky-Schlitten. An diesem Tag viel die Temperatur jedoch auf -35°. Kinder durften wegen Erfrierungsgefahr nicht mehr an der ersten Hälfte der Safari, den Ski-doos, teilnehmen und wurden mit dem Bus hingebracht. Der Veranstalter versorgte die restlichen Teilnehmer mit einem Overall, damit trug jeder das doppelte der sonst üblichen Klamottendicke. Dazu gab es Stiefel, die vermutlich wärmer als Snowboard-Boots oder meine Wanderstiefel waren. Allerdings waren sie nur auf Temperaturen bis -30° ausgelegt. Auf dem Weg zur Husky-Farm sind mir folglich die Zehen leicht eingefroren, was mir ein anschließendes Verlassen des Lagerfeuers auf der Farm für knapp 15 Minuten nicht ermöglichte…

Die Huskies sind total süß – besonders wenn sie an einer Stelle anders abbiegen als die Schlitten vor ihnen. Ich reiste in der Reihe im ersten Schlitten und irgendwann waren wir allein… Der Safari-Leiter ermöglichte mir das Schmusen mit den Leithunden (damit sie ihm nicht weiter hinterher laufen und damit einmal umkehren würden) und sammelte die verlorene Schar neu ein. Zum Husky-Schlitten sei gesagt, ist eine gute Polsterung des Allerwertesten Gold wert: jede Unebenheit kann genau erfühlt werden.

Nach der Rückreise auf den Ski-doos von der Husky-Farm freute ich mich ungemein über die heimische Bodenheizung und war auch nur noch zu wenig zu gebrauchen. Leider war das dann auch schon der letzte Tag, die Klamotten mussten gepackt und den Tag darauf der Flug zurück nach Deutschland genommen werden.