Archiv für Kategorie ‘Anderswo’

Schiffsmeldungen – Part 3

Mit gutem Wind nahm die Seglermannschaft gestern die Fahrt erneut auf. Allein die gesetzte Fock reichte aus, um 6 Knoten (~ 11km/h) zu erreichen. Mit einem ähnlichen Boot auf der Havel habe ich bisher höchstens 4 Knoten bei gesetztem Groß- UND Vorsegel erreicht.

In der Nacht jedoch dreht der Wind und die Wellen, die zuvor von hinten das Boot vorantrieben, schlugen nun auch dem Schiff entgegen. An dieser Stelle hat die kürzlich zugestiegene ihre Entscheidung sicherlich bereut – die Schaukelei trieb so manchen an die Reling.

Auch die Strömung war gegen die Segler. Auf diese Weise mussten sie ein Stück ihres bereits überwundenen Weges einbüßen und fuhren zurück, um in Stavanger in den Hafen einzulaufen.

Großzügige Planungen gingen mit einer Einfahrt im dänischen Zielhafen für Donnerstag aus. Da jetzt jedoch regelmäßig erst nach dem Wind geschaut werden muss und erst, wenn er günstig steht, sofort ausgelaufen wird, um möglichst vor der nächsten Drehung den nächstgelegenen Hafen zu erreichen, dürfte diese Zielmarke ins Wanken geraten.

Aber immerhin haben sie bereits den Atlantik “verlassen” und befinden sich bereits in der Nordsee. Für jene, die mittlerweile über ihre seemännischen Standfertigkeiten ins Zweifeln kommen, wird Skagerrak noch eine Herausforderung werden. Auch hier soll nicht unbedingt eine ruhige Fahrt zu erwarten sein.

Neugierig bin ich, wann sie die Kurve nehmen wollen, um auf Dänemark zuzuhalten. Die großen Fährlinien pendeln zwischen Kristiansand (Norwegen) und Hirtshals (Dänemark). Als kleines vier bis 6-Mann-Segelboot würde ich es mit diesen Riesen jedoch nicht aufnehmen, die neben der Größe auch in der Geschwindigkeit einen Vorteil haben. Ob man solchen Booten rechtzeitig ausweichen könnte?

Schiffsmeldungen – Part 2

Am Nachmittag des heutigen Tages hat die Seglermannschaft die Stadt Bergen erreicht. Damit ist schon gut über die Hälfte der angestrebten Strecke geschafft. Mit dem morgigen Tag startet dann der Drei-Mann-Trupp auch mit Verstärkung in Form einer weiblichen Nicht-Seglerin: Die Freundin eines aus der Mannschaft.

Selbst für gestandene Segler bargen die letzten Tage wohl einiges an Überwindung. Bei vier Meter Wellen trotz fehlendem Wind ist beinahe jeder außer dem aktuellen Steuermann kurzerhand seekrank geworden. Und soweit ich mich korrekt an den Namen erinnere, soll die Reise bei Kap Lindesnes noch eine Herausforderung werden. Doch solange es sich nicht um Kap Hoorn handelt, sollten alle unbeschadet ihr Ziel erreichen…

Wer mal selbst die in Norwegen zurückgelegte Strecke in Augenschein nehmen möchte, verweise ich auf diese Landkarte. Im oberen Drittel an der Westküste findet sich das kleine Städtchen Bodø, der Ausgangsort der Reise. Im unteren Drittel ganz links außen findet sich Bergen, der aktuelle Standort des Bootes. Weitere sehr interessante Seekarten finden sich schließlich noch hier.

Schiffsmeldungen – Part 1

Innerhalb der letzten Woche bin ich lieberweise ständig – so möglich – auf den aktuellen Stand der Dinge hoch oben in Norwegen auf einem kleinen 13-Meter-Boot gehalten worden.

Die ersten Tage war der Wind mit der kleinen Seglertruppe und sie kamen sehr gut voran. Haben mit Delphinen Bekanntschaft geschlossen und einer Hochseemöve einen kleine Rastpause auf der Reling gegönnt und Sonntag sollte bereits die Hälfte der Etappe geschafft und Bergen erreicht sein. Doch der Wind verließ die Segler, so dass sie in den letzten Tagen “motoren” mussten. Auf diese Weise verzögert sich die Ankunft in Bergen und ist derzeit für den morgigen Tag angepeilt.

Damit stellt sich natürlich die Frage, ob die geplante Strecke überhaupt noch zurückgelegt werden kann. Ich als Laie weiß das erst recht nicht, doch hat der Bootseigner, der ebenfalls bei dieser Reise unterwegs ist, ein neues Ziel ausgewählt. Nicht mehr Kopenhagen ist der angestrebte Endhafen sondern ein anderer – mir nicht merkbarer – Ort.

Noch haben die drei eineinhalb Wochen Zeit, ihr Ziel zu erreichen und die Hälfte soll mittlerweile geschafft sein. Ich drücke die Daumen!

Ganz allein zu Haus’

Seit etwa drei Stunden bin ich nun also Strohwitwe. Mit einem Flug der Norwegian Air machte sich mein Freund auf den Weg nach Bodø mit einem Zwischenstop von läppischen sieben Stunden in Oslo.

Der eine oder andere mag sich jetzt fragen, warum man nun gerade in den Norden reist und dann auch noch so weit hoch, dass man bereits am Polarkreis angekommen ist. Wo hier in Berlin doch karibische Temperaturen herrschen, ohne in die Karibik reisen zu müssen.

Nun. Vielleicht ja gerade deswegen. Bei solchen Temperaturen kenne ich bereits ein Pärchen, das ist für die Nacht in den Keller ihres Einfamilienhauses gezogen, weil es im eigentlichen Schlafzimmer einfach nicht auszuhalten war.

Aber die Hitze ist nicht der tatsächliche Grund für seine Reise. Nein. Er hat das Angebot bekommen, ein in Bodø liegendes Segelboot mit zwei anderen “Männern der See” nach Kopenhagen zu fahren. Dafür sind drei Wochen angesetzt.

Bereits im letzten Jahr unternahm dieses Boot eben jene Reise und der Bootseigner konnte von erstaunlichen Geschichten berichten. So hatten sie damals die Chance Pottwale zu sehen. (Oder waren es Buckelwale? Oder Killerwale? Oder …) Die sind locker mal doppelt so groß wie das Segelboot… Und wenn dieses Mal das Wetter gut – oder halt entsprechend schlecht – mitspielt, ist ein kurzer Abstecher zu den Shettland-Inseln oder gar Schottland geplant.

Na, wenn das kein Abenteuer ist! Mit einer Nuss-Schale von knapp 15 Metern Länge den Atlantik zu segeln. Ich möchte keine Sekunde tauschen mit ihm…

Mich selbst wird es dagegen auch ans – wenn denn nicht aufs – Meer ziehen. Mit ein paar Kommilitonen mache ich einen Kurzabstecher an die Ostsee. Ist doch auch was feines. Ein paar Algen und Quallen – was brauche ich mehr Abenteuer?

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